Das Finanzgericht Münster entschied, dass ein Anspruch auf Kindergeld für ein auch langfristig erkranktes Kind in einem Ausbildungsverhältnis dann gegeben ist, wenn die Möglichkeit der Rückkehr besteht sowie die Absicht des Kindes, die Ausbildung nach Genesung fortzusetzen (Az. 11 K 1832/19).

Strittig war, ob die Klägerin im Zeitraum von Oktober 2018 bis Mai 2019 (weiterhin) einen Anspruch auf Kindergeld für ihren erkrankten Sohn hatte. Die Klägerin bezog fortlaufend Kindergeld für ihren 1999 geborenen Sohn, der am 01.08.2015 seine Ausbildung zum Zweiradmechatroniker in der Fachrichtung Fahrradtechnik begann, die nach dem Berufsausbildungsvertrag zum 31.01.2019 enden sollte. Im September 2018 hatte der Sohn während seiner Arbeit einen Unfall und erlitt u. a. einen Schädelbasisbruch sowie ein Schädel-Hirn-Trauma. Nach längerer stationärer Behandlung hielten die behandelnden Ärzte eine Rückkehr in die Berufsausbildung trotz der noch deutlich bestehenden neuropsychologischen Defizite für möglich. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus durchlief der Sohn einen sog. Reha-Plan mit dem Ziel der Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit als Zweiradmechatroniker in Ausbildung. Das Ausbildungsverhältnis bestand unstreitig über den Monat Mai 2019 – dem letzten Monat des im vorliegenden Verfahren streitbefangenen Zeitraums – hinaus fort. Die Familienkasse hob die Kindergeldfestsetzung für den Sohn ab Januar 2019 auf, da er nach ihren Unterlagen seine Berufsausbildung im Dezember 2018 beende. Der Sohn könne nicht mehr berücksichtigt werden, da er aufgrund der Erkrankung in absehbarer Zeit nicht aktiv an der bisherigen Ausbildung teilnehmen könne. Er könne mangels eines ärztlichen Nachweises mit einem bescheinigten absehbaren Ende der Erkrankung nicht berücksichtigt werden.

Das FG Münster hat den Bescheid aufgehoben. Die Klägerin habe für den Zeitraum Oktober 2018 bis Mai 2019 Anspruch auf Kindergeld für ihren Sohn, da er (weiterhin) den Tatbestand des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 a) EStG erfülle. Nach Auffassung des Gerichts befand er sich in diesem Zeitraum noch in seinem Ausbildungsverhältnis zum Zweiradmechatroniker, war weiterhin ausbildungswillig und war wegen seiner Erkrankung nach Ansicht des Senats auch nur zeitweise nicht in der Lage, seine Ausbildung durchzuführen. Eine Dienstanweisung der Familienkasse, dass mit einer ärztlichen Bescheinigung auch das voraussichtliche Ende der Erkrankung nachgewiesen werden müsse, binde das Gericht nicht.