Aufwendungen für eine sog. Tomatis-Therapie sind nicht als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig. So entschied das Niedersächsische Finanzgericht (Az. 9 K 182/19).

Der Sohn der Kläger litt an einer Hyperakusis (krankhafte Überempfindlichkeit gegen Schall). Auf Vorschlag des behandelnden HNO-Arztes ließen die Kläger zu deren Behandlung eine Hörtherapie nach Tomatis bei einem entsprechenden Institut durchführen. Nach der Behandlung bescheinigte der HNO-Arzt den Erfolg der Therapie. Da weder Krankenkasse noch Beihilfestelle zur Kostenübernahme bereit waren, machten die Kläger die Kosten i. H. v. 4.027,60 Euro mit der Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastungen geltend. Da die Kläger jedoch weder ein vor Beginn der Therapie ausgestelltes amtsärztliches Gutachten noch eine vorherige ärztliche Bescheinigung eines medizinischen Dienstes der Krankenversicherung vorlegen konnten, lehnte das Finanzamt die steuerliche Berücksichtigung ab.

Das Gericht hielt die Entscheidung der Finanzbehörde für rechtmäßig. Bei einer Tomatis-Therapie handele es sich um eine wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethode, bei der zum Nachweis der Zwangsläufigkeit der Heilbehandlungskosten ein qualifizierter Nachweis in Form eines vor Beginn der Therapie ausgestellten amtsärztlichen Gutachtens oder eine vorherige ärztliche Bescheinigung eines medizinischen Dienstes der Krankenversicherung erforderlich sei.

Ein Gutachten der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie war zu dem Ergebnis gekommen, dass es bis zum Streitjahr und darüber hinaus bis heute keine relevanten wissenschaftlichen Arbeiten dazu gebe, ob die Tomatis-Therapie zur Behandlung speziell einer Hyperakusis geeignet sei. Daraus sei zu schließen, dass die große Mehrheit der einschlägigen Fachleute diese Behandlungsmethode nicht befürworte und über die Zweckmäßigkeit der Therapie kein Konsens bestehe. Zudem gebe es über Qualität und Wirksamkeit der Methode keine zuverlässigen, wissenschaftlich nachprüfbaren Aussagen. Der Erfolg der Therapie lasse sich im Ergebnis nicht aus wissenschaftlich einwandfrei durchgeführten Studien über die Zahl der behandelten Fälle und die Wirksamkeit der Methode ablesen. Es sei auch nicht ersichtlich, dass die Tomatis-Therapie in einer für die sichere Beurteilung ausreichenden Zahl von Behandlungsfällen erfolgreich gewesen sei.

Hinweis

Die Tomatis-Therapie ist eine „Horch-” und Hörtherapie, die von dem französischen Arzt Alfred A. Tomatis entwickelt wurde. Sie beschäftigt sich mit der Interaktion von auditiven, phonatorischen und psychischen Prozessen und dient der Behandlung eines weiten Spektrums des Funktions- und Gleichgewichtssystems. Rechtlich zählt die Tomatis-Therapie zu den komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden.