Das Landessozialgericht Darmstadt entschied, dass in Ausnahmefällen die Blutzuckermessung als häusliche Krankenpflege auch bei konventioneller Insulintherapie und über längere Zeiträume verordnet werden kann (Az. L 8 KR 443/17).

Der Versicherte litt u. a. an Diabetes mellitus vom Typ 2. Da er Auffassungs- und Umstellungsschwierigkeiten hatte, verordnete sein Arzt die häusliche Krankenpflege in Form von Blutzuckermessungen und Insulin-Injektionen zweimal täglich sowie Herrichten der Medikamentengabe einmal wöchentlich über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr. Die Krankenkasse genehmigte die Insulin-Injektionen und das Richten der Medikamente. Die Kostenübernahme für die Blutzuckermessungen von rund 3.400 Euro lehnte sie hingegen ab.

Das Sozialgericht und das LSG Darmstadt gaben dem Versicherten Recht. Nach Auffassung des LSG sind nach der Richtlinie für Häusliche Krankenpflege in begründeten Ausnahmefällen auch nicht im Leistungsverzeichnis aufgeführte Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege verordnungs- und genehmigungsfähig. Jedoch sei Voraussetzung, dass sie als Bestandteil des ärztlichen Behandlungsplanes im Einzelfall erforderlich und wirtschaftlich seien sowie von geeigneten Pflegekräften erbracht werden sollen. Daher könnten Blutzuckermessungen auch dann verordnungsfähig sein, wenn es sich weder um eine Erst- oder Neueinstellung des Diabetes noch um eine sog. Intensivierte Insulintherapie handele. Ein solcher Ausnahmefall liege im Streitfall vor.