Ein Arbeitnehmer, der aus dem Betrieb seines Arbeitgebers Weinflaschen eines Kunden entwendet, muss dem Arbeitgeber den Betrag ersetzen, den dieser benötigt, um auf dem Markt Ersatz zu beschaffen. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein verurteilte den Mitarbeiter zur Zahlung von 39.500 Euro (Az. 1 Sa 401/18).

Die Arbeitgeberin betreibt ein Hotel. Sie hat einem Kunden im Jahr 2009 zwei 6-Liter Flaschen „Château Petrus Pomerol“, Jahrgang 1999, zu einem Gesamtpreis von 13.757,60 Euro verkauft und diese bei sich eingelagert. Der Mitarbeiter war bei der Arbeitgeberin als Direktionsassistent angestellt und entwendete die Flaschen aus dem Weinkeller, um sie einem Händler für 9.000 Euro pro Flasche zu verkaufen. Nachdem die Arbeitgeberin dies bemerkt hatte, kündigte sie dem Beklagten fristlos. Der Kunde machte nun seinerseits gegenüber der Arbeitgeberin die sich aus dem Verlust der Weinflaschen ergebenden Ansprüche geltend. Daraufhin erwarb die Arbeitgeberin zwei 6-Liter Flaschen „Château Petrus Pomerol“, Jahrgang 1999, für zusammen 39.500 Euro und verlangte nun die geleistete Zahlung vom früheren Angestellten zurück.

Das Gericht gab dem Kläger Recht. Der Mitarbeiter habe durch den Diebstahl der beiden Weinflaschen den berechtigten Besitz der Arbeitgeberin verletzt. Deshalb könne sie von ihm Schadensersatz verlangen, und zwar den Haftungsschaden in Form der Ersatzbeschaffung der Weinflaschen. Maßgeblich sei dabei der Zeitpunkt, zu dem die Arbeitgeberin die Ersatzbeschaffung in die Wege leiten musste. Nach Einholung eines Gutachtens hielt das Gericht den Preis von 39.500 Euro für angemessen.