Ein Feuerwehrmann, der nach seinem Arbeitsvertrag verpflichtet ist, seinen Dienst an verschiedenen Einsatzstellen zu leisten, hat keine sog. „erste Tätigkeitsstätte“. Er kann daher für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nicht nur die Entfernungspauschale, sondern die tatsächlichen Fahrtkosten als Werbungskosten geltend machen. So entschied das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Az. 6 K 1475/18).

Ein Feuerwehrmann hatte seinen Dienst – jeweils 24-Stunden-Schichten – nach besonderer Einzelweisung alternativ an vier verschiedenen Einsatzstellen zu verrichten. Im Streitjahr 2016 war er allerdings ausschließlich in einer 15 km von seinem Wohnort entfernten Feuerwache eingesetzt. Er machte die Fahrten von seiner Wohnung zu dieser Feuerwache hin und zurück als Dienstreisen geltend (112 Tage x 30 km x 0,30 Euro = 1.008 Euro). Das erkannte das Finanzamt nicht an. Es sei nur die Entfernungspauschale (112 Tage x 15 km x 0,30 Euro = 504 Euro) zu berücksichtigen. Es habe sich nicht um Dienstreisen, sondern um Fahrten zur sog. „ersten Tätigkeitsstätte“ gehandelt.

Das Finanzgericht gab dem Kläger Recht. Dass er rückblickend tatsächlich nur in einer Feuerwache eingesetzt gewesen sei, sei irrelevant. Die an 112 Tagen aufgesuchte Feuerwache sei nicht als erste Tätigkeitsstätte anzusehen. Gesetzliche Voraussetzung sei, dass der Arbeitnehmer entweder einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers dauerhaft zugeordnet sei oder dort dauerhaft mindestens je Arbeitswoche zwei volle Arbeitstage oder mindestens ein Drittel seiner vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit tätig werden solle. Diese Voraussetzungen seien hier aber nicht erfüllt, weil der Kläger nach seinem Arbeitsvertrag verpflichtet war, jeweils nach Einzelanweisung seinen Dienst an vier verschiedenen Einsatzstellen zu leisten, und der Arbeitgeber ihn von einem Tag auf den anderen an eine der anderen Einsatzstellen beordern hätte können.

Hinweis

Die Finanzbehörde hat Revision gegen das Urteil eingelegt (BFH-Az. VI B 112/19).