Das Landesarbeitsgericht Hamm entschied, dass die Sparkasse Herne einer Mitarbeiterin im April 2016 zu Recht außerordentlich fristlos gekündigt hat. Nach nochmaliger Prüfung der Indizien war das Gericht im zweiten Rechtszug von einer Wegnahme des Geldes durch die gekündigte Mitarbeiterin überzeugt (Az. 17 Sa 1038/18).

Eine seit 24 Jahren bei der Sparkasse beschäftigte Kassiererin hatte beim Öffnen eines von der Bundesbank angelieferten Geldkoffers nach eigener Darstellung nur je eine Packung Babynahrung und Waschpulver vorgefunden. Der für den verplombt angelieferten Koffer dokumentierte Geldbetrag in Höhe von 115.000 Euro in 50-Euro-Scheinen blieb hingegen verschwunden. Diesen gemäß Darstellung der Sparkasse nach Höhe und Stückelung ungewöhnlichen Geldbetrag hatte die Mitarbeiterin am Tag zuvor selbst bestellt. Die Sparkasse kündigte der Mitarbeiterin daraufhin außerordentlich fristlos. Im Ergebnis eigener Aufklärungsbemühungen wegen zahlreicher gegen die Mitarbeiterin sprechender Indizien sei zumindest der dringende Verdacht eines Vermögensdelikts zu ihrem Nachteil begründet.

Das Arbeitsgericht Herne und dann das LAG Hamm hielten die Kündigung zunächst für unwirksam. Die erfolgreiche Revision der Sparkasse zum Bundesarbeitsgericht führte zu einer Zurückverweisung an das LAG. Dieses musste nun nochmals umfassend untersuchen, ob aufgrund der vorliegenden Indiztatsachen nicht doch von einer Täterschaft der Klägerin auszugehen sei. Das LAG Hamm war nach nochmaliger Prüfung der Indizien nunmehr doch von einer Wegnahme des Geldes durch die gekündigte Mitarbeiterin überzeugt. Dabei flossen die Feststellungen des Amtsgerichts Herne aus dem parallel laufenden Strafverfahren in die Bewertung mit ein. Dieses hatte die Mitarbeiterin wegen Unterschlagung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt und die Einziehung des Geldbetrages angeordnet.