Das Entgelttransparenzgesetz erlaubt es Angestellten, beim Arbeitgeber zu erfragen, wie viel eine Gruppe von Kollegen im Mittelwert verdient. Wenn das Gehalt einer Frau deutlich niedriger ausfällt als der Median einer männlichen Vergleichsgruppe, ist das jedoch nicht automatisch ein Indiz für eine Diskriminierung. Darauf wies das Landesarbeitsgericht Niedersachsen hin (Az. 5 Sa 196/19).

Eine Abteilungsleiterin hatte bei ihrem Arbeitgeber eine Auskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz eingefordert. Der Arbeitgeber teilte ihr mit, dass der Gehaltsmedian der männlichen Abteilungsleiter bei 6.292 Euro liege. Da sie selbst zu dem Zeitpunkt nur rund 5.385 Euro brutto im Monat verdiente, verlangte sie von ihrem Arbeitgeber Ausgleichszahlungen für die vergangenen Monate, die diese Differenz begleichen sollten sowie eine Gehaltsanpassung.

Das Landesarbeitsgericht hielt den Anspruch nicht für begründet. Der dargelegte Gehaltsunterschied genüge nicht als Indiz, das mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf schließen lasse, dass eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts erfolgt sei. Der Median sei ein Mittelwert, der Ausreißern ein geringeres Gewicht gebe als der einfache Durchschnitt. Er bilde den Wert ab, bei dem die Hälfte der Einkommen geringer und die andere Hälfte höher sei. Mitarbeiter erhielten nämlich keine Information über die Durchschnittswerte des eigenen oder des anderen Geschlechts. Es könne sein, dass zum Beispiel jeweils dieselbe Anzahl an Mitarbeiterinnen im Unternehmen genau das gleiche verdienten wie dieselbe Anzahl an männlichen Kollegen einer Vergleichsgruppe, z. B. zwischen 1.600 und 2.500 Euro. Der Median wäre jeweils identisch und könnte beispielsweise bei 1.900 Euro liegen. Eine Frau, die sich mit einem Gehalt von 1.600 Euro zufällig am unteren Rand der Vergütungsskala befindet, liege darunter. Die Vergütung in der Firma könne aber zudem von den Dienstjahren abhängig sein. Die Angestellten erhielten hier vor der Beförderung zum Abteilungsleiter eine tarifliche Vergütung. Die männlichen Abteilungsleiter seien bereits sehr lange beim Unternehmen gewesen. Daher sei der Vergütungsanspruch der Klägerin abzulehnen.