Das Hessische Landessozialgericht entschied, dass das Schneiden von Reben bei entsprechender Intensität eine Epicondylitis humeri ulnaris (“Golfer-Ellenbogen”) verursachen kann, die als Berufskrankheit von der Berufsgenossenschaft anzuerkennen ist – vorausgesetzt, die Erkrankung ist im Vollbeweis gesichert (Az. L 3 U 90/15).

Im zugrunde liegenden Streitfall schnitt die Klägerin für einen landwirtschaftlichen Betrieb in einem Zeitraum von zwei Jahren jeweils einige Wochen Reben von Hand mit einer mechanischen Schere. Die Klägerin erlitt Beschwerden im rechten Arm, die sie auf diese Tätigkeit zurückführte. Die Berufsgenossenschaft lehnte die von ihr beantragte Anerkennung einer Berufskrankheit ab. Das Krankheitsbild sei nach Auffassung der beklagten Berufsgenossenschaft nicht eindeutig und der Rebschnitt nicht ursächlich für die Armbeschwerden.

Das LSG Hessen gab der Berufsgenossenschaft Recht. Nach Auffassung des Gerichts gehört die Erkrankung am Sehnenansatz des Ellenbogengelenkes zwar zu den als Berufskrankheit nach der Nr. 2101 (Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung) geschützten Krankheitsbildern. Auch fielen beim Einsatz im Rebschnitt durchaus biomechanisch relevante Bewegungsabläufe an, die das Krankheitsbild eines sog. Golfer-Ellenbogen bewirken könnten. Doch sei das Krankheitsbild der Versicherten nicht im Vollbeweis gesichert, denn der medizinische Sachverständige habe keine belastbaren Hinweise für Veränderungen am ellenseitigen Epicondylus feststellen können. Des Weiteren seien die Schmerzangaben der Versicherten eher diffus und zudem ließen sich die Beschwerden auch durch andere Erkrankungen der Versicherten (Karpaltunnelsyndrom und Einschränkungen der Halswirbelsäule) erklären. Diese Erkrankungen würden ähnliche Symptome aufweisen wie ein “Golfer-Ellenbogen” und müssten bei der Prüfung der Berufskrankheit nach der Nr. 2101 als Differentialdiagnose ausgeschlossen werden.