Wenn Arbeitsunfähigkeit durchgängig bescheinigt worden ist und der behandelnde Arzt keine Bedenken gegen den Auslandsurlaub hat, darf das Krankengeld während des Urlaubs im Ausland nicht verweigert werden. So hat das Sozialgericht Karlsruhe entschieden (Az. S 4 KR 2398/17).

Ein Arbeitnehmer war arbeitsunfähig erkrankt und bezog Krankengeld von seiner gesetzlichen Krankenkasse. Er wollte seinen geplanten Urlaub mit der Familie an der Mittelmeerküste trotzdem wahrnehmen und legte hierzu eine Bescheinigung seines Arztes über seine Reisefähigkeit vor und verwies darauf, dass in diesem Zeitraum keine Arzttermine geplant seien. Die Krankenkasse verweigerte ihm für die Zeit seines Urlaubs im Ausland die Zahlung von Krankengeld. Sie verwies u. a. darauf, dass seine Erkrankung sich im Urlaub verschlechtern könne und eine positive Auswirkung des Urlaubs auf dessen Genesung nicht gesichert sei. Daraufhin klagte der Arbeitnehmer gegen die Verweigerung des Krankengeldanspruchs.

Seine Klage hatte vor dem SG Karlsruhe Erfolg. Die Krankenkasse habe ihr Ermessen fehlerhaft ausgeübt, da sie die möglichen Vorteile eines Erholungsurlaubs für den klagenden Arbeitnehmer nicht genügend berücksichtigt habe. Sie hätte auch beachten müssen, dass der Urlaub des Klägers schon vor seiner Arbeitsunfähigkeit gebucht worden war. Die Vorschriften über das Ruhen des Krankengeldanspruchs bei einem Auslandsurlaub sollten zudem nur eine ungerechtfertigte Inanspruchnahme von Krankengeld in den Fällen verhindern, in denen die Arbeitsunfähigkeit im Ausland nur mit Schwierigkeiten festgestellt werden könne. Sei – wie bei dem Kläger – die Arbeitsunfähigkeit in Deutschland festgestellt worden und unstreitig auch während des Urlaubs gegeben, verbleibe kein Raum mehr für eine Ablehnung durch die Krankenkasse. Dies ergebe sich für das EU-Ausland schließlich auch aus höherrangigem Recht der Europäischen Union.