Das Sozialgericht Karlsruhe verurteilte eine Berufsgenossenschaft zur Anerkennung von Lungenkrebs als Berufskrankheit nach Belastungen durch Chrom am Arbeitsplatz (Az. S 4 U 4163/16).

Der Kläger litt an einem Lungenkrebs, den er auf seine mehrjährige Beschäftigung in chromverarbeitenden Betrieben bis Anfang der 90er Jahre zurückführte. Nach Ermittlungen zu den Arbeitsplätzen des Klägers holte die Berufsgenossenschaft (Beklagte) ein Gutachten ein, in dem die Anerkennung der Berufskrankheit Nr. 1103 (“Erkrankungen durch Chrom oder seine Verbindungen”) vorgeschlagen wurde. Die Beklagte lehnte das Vorliegen einer Berufskrankheit dennoch ab, weil auch nach dem eingeholten Gutachten nicht eine Belastung von wenigstens 500, sondern allenfalls von 240 sog. “Chromjahren” vorgelegen habe.

Das SG Karlsruhe gab hingegen dem Kläger Recht, nachdem auch ein zweites Gutachten ergab, dass im Falle des Klägers eine ausreichende Belastung mit Chrom für die Verursachung des bei ihm festgestellten Lungenkrebses vorlag. Der Gesetzgeber verlange in der Berufskrankheitenverordnung für die BK Nr. 1103 keine Mindestbelastung. Danach würden Belastungen ausreichen, die nach dem gegenwärtigen medizinischen Stand ausreichend seien, um eine Erkrankung wie beim Kläger auszulösen. Dies könne nach den vorliegenden Gutachten bereits bei 93 Chromjahren der Fall sein. Auch der Umstand, dass die letzte erhöhte Chromexposition im Jahr 1992 stattfand, stehe dem nicht entgegen, weil sich ein derartiger “Chromatlungenkrebs” auch noch Jahre nach dem Wegfall der Belastung entwickeln könne.Zurück zur Übersicht

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