Eine nachgewiesene sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz rechtfertigt auch nach 16-jähriger beanstandungsfreier Betriebszugehörigkeit die fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses. So entschied das Landesarbeitsgericht Köln (Az. 4 Sa 644/19).

Ein Arbeitnehmer, der seit 16 Jahren in der Produktion beschäftigt war, hatte eine Kollegin am Arbeitsplatz sexuell belästigt. Die Kollegin wandte sich zunächst an die Personalleiterin. Nach Anhörung des Mitarbeiters, der den Vorwurf bestritt, kündigte die Beklagte das Arbeitsverhältnis fristlos. Aufgrund einer Strafanzeige der Kollegin erging gegen den Mitarbeiter ein Strafbefehl wegen sexueller Belästigung mit einer Verurteilung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen.

Die gegen die Kündigung gerichtete Klage hatte keinen Erfolg. Angesichts der Schwere der festgestellten Pflichtverletzung sei eine vorhergehende Abmahnung nicht erforderlich gewesen, weil der Kläger nicht ernsthaft damit habe rechnen können, dass der Arbeitgeber sein Verhalten tolerieren werde. Aufgrund seiner Verpflichtung, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor sexuellen Belästigungen wirksam zu schützen, sei dem Arbeitgeber der Ausspruch einer Kündigung unter Einhaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist nicht zuzumuten gewesen.