Wenn ein öffentlicher Arbeitgeber nach einer Stellenausschreibung Auswahlgespräche durchführt, müssen schwerbehinderte Bewerber auch dann zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden, wenn die Stelle nur intern ausgeschrieben wurde. Wenn sich der Bewerber um mehrere Stellen mit identischem Anforderungsprofil bewirbt, ist grundsätzlich für jede Bewerbung ein Vorstellungsgespräch zu führen. Die Einladung zu nur einem Gespräch ist nur ausreichend, wenn das Auswahlverfahren identisch ist, die Auswahlkommissionen sich aus denselben Personen zusammensetzen und zwischen den jeweiligen Auswahlentscheidungen nur wenige Wochen liegen. So hat das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg entschieden (Az. 21 Sa 1643/17).

Ein schwerbehinderter Mann hatte sich bei der beklagten Bundesagentur um zwei intern ausgeschriebene Stellen mit identischem Anforderungsprofil beworben. Die Behörde lud den Kläger wegen der einen zu besetzenden Stelle zu einem Auswahlgespräch ein; wegen der Stelle in der anderen Stadt wurde der Kläger nicht zu einem derartigen Gespräch eingeladen. Nachdem er für beide Stellen nicht berücksichtigt worden war, machte er einen Entschädigungsanspruch nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geltend.

Das Gericht hat die Behörde zur Zahlung einer Entschädigung verurteilt. Der Kläger sei wegen seiner Behinderung benachteiligt worden, weil er auf seine Bewerbung auf die zweite zu besetzende Stelle nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden sei. Für schwerbehinderte Menschen sollen gleiche Bewerbungschancen hergestellt werden. Bei Mehrfachbewerbungen um Stellen mit identischem Anforderungsprofil genüge die Einladung zu nur einem Gespräch nur unter den o. g. Voraussetzungen; ansonsten müsste aufgrund jeder Bewerbung ein gesondertes Auswahlgespräch geführt werden.