Das Landessozialgericht Hessen entschied, dass Physiotherapeuten, die als „freie Mitarbeiter“ in einer physiotherapeutischen Praxis arbeiten, abhängig beschäftigt sind, wenn sie in die Organisation der Praxis eingegliedert sind und kein Unternehmerrisiko tragen (Az. L 1 BA 14/18).

Eine Physiotherapeutin war in einer physiotherapeutischen Praxis tätig. Mit deren Inhaberin schloss sie einen Vertrag als “freie Mitarbeiterin” ab. Sie zahlte keine Miete und trug auch keine sonstigen Praxiskosten. Des Weiteren erwarb sie fast keine Gerätschaften oder Materialien auf eigene Kosten. Die durchgeführten Behandlungen wurden über das Abrechnungssystem der Inhaberin abgerechnet, die 30 Prozent des jeweiligen Abrechnungsbetrages erhielt. Die Deutsche Rentenversicherung stellte fest, dass die Physiotherapeutin abhängig beschäftigt und sozialversicherungspflichtig sei. Hiergegen klagte die Praxisinhaberin, weil die Mitarbeiterin nicht weisungsgebunden gewesen sei und ihre Arbeitszeiten selbst habe bestimmen können. Außerdem sei die Mitarbeiterin an den Kosten der Praxis beteiligt gewesen, da sie 30 Prozent der Abrechnungsbeträge an sie gezahlt habe.

Das LSG Hessen gab der Rentenversicherung Recht. Die Mitarbeiterin sei in die Organisation der Praxis eingegliedert gewesen und der Erstkontakt mit den Patienten sei stets über die Praxis erfolgt. Des Weiteren seien die Patienten ausschließlich mit der Praxisinhaberin vertraglich verbunden. Von maßgeblicher Bedeutung sei außerdem, dass die Mitarbeiterin kein gewichtiges Unternehmerrisiko getragen habe.