Zwei zeitlich und inhaltlich zusammenhängende Ausbildungsabschnitte können auch dann zu einer einheitlichen Erstausbildung zusammengefasst werden, wenn das Kind sich nach dem Ende des ersten Ausbildungsabschnitts umorientiert und seine Zweitausbildung anders als ursprünglich geplant fortsetzt (hier: Betriebswirtschaftsstudium statt Bankkolleg nach einer Bankausbildung). Dies entschied der Bundesfinanzhof (Az. III R 14/18).

Der Sohn des Klägers absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung bei einer Volksbank. Die Familienkasse gewährte dem Kläger bis Januar 2015 Kindergeld für seinen Sohn. Nach dem Abschluss seiner Banklehre wurde der Sohn von der Volksbank als Vollzeitbeschäftigter übernommen. Bereits im April 2014 hatte er an einer Informationsveranstaltung über ein Studium am Bankkolleg (Abschluss: Bankfachwirt) teilgenommen. Der Beginn des Studiums verzögerte sich jedoch auf unbestimmte Zeit. Daraufhin bewarb sich der Sohn im Juni 2015 auf einen Onlinestudiengang Betriebswirtschaftslehre und nahm das Studium zum 01.09.2015 auf. Der Kläger beantragte im August 2017 unter Hinweis auf das im September 2015 aufgenommene Studium erneut Kindergeld. Die Familienkasse lehnte den Antrag ab. Die anschließende Klage vor dem Finanzgericht blieb ohne Erfolg.

Der BFH hat das Urteil des Finanzgerichts jedoch aufgehoben und die Sache zurückverwiesen. Im Streitfall liege der erforderliche enge zeitliche Zusammenhang zwischen der Banklehre und dem Betriebswirtschaftsstudium vor. Auch der erforderliche enge sachliche Zusammenhang zwischen der Ausbildung zum Bankkaufmann und dem Betriebswirtschaftsstudium liege vor. Insbesondere führe die Umorientierung des Sohnes (Betriebswirtschaftsstudium statt Bankkolleg) nicht zu der Annahme einer mehraktigen Ausbildung.