Das Sozialgericht Osnabrück entschied in einem nicht rechtskräftigen Urteil, dass ein unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stehender Wegeunfall auch vorliegt, wenn gewöhnlich ein vereinbarter Treffpunkt aufgesucht wird, um das Juweliergeschäft gemeinsam zu öffnen (Az. S 19 U 123/18).

Im konkreten Fall war die Klägerin seit fast 20 Jahren bei einem Juwelier beschäftigt. Aus Sicherheitsgründen traf sie sich mit ihrer Kollegin, der Geschäftsführerin und Besitzerin des Schlüssels für das Juweliergeschäft, jeden Morgen immer kurz vor dem Juweliergeschäft an einem ca. 180 m entfernten Parkhaus. Sie legten den Weg dann gemeinsam zurück und schlossen gemeinsam das Juweliergeschäft auf. Als die Klägerin im Februar 2018 mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Parkhaus wegen Glatteis wegrutschte und einen Bruch des Wadenbeins erlitt, lehnte die beklagte Berufsgenossenschaft die Anerkennung dieses Ereignisses als Arbeitsunfall ab. Die Klägerin habe sich zum Unfallzeitpunkt nicht auf dem direkten Weg zu ihrer Arbeitsstätte befunden. Die Klägerin wandte gegen diese Ablehnung ein, dass sie sich aus Sicherheitsgründen immer mit ihrer Kollegin am Parkhaus treffe. Das SG Osnabrück hat sich dieser Einschätzung angeschlossen. Nach Auffassung des Gerichts ist auch der Weg zum Parkhaus als versicherter Weg nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII zu sehen, da dieser Weg der versicherten Beschäftigung zuzurechnen ist. Schließlich habe die Klägerin den unmittelbaren Weg nicht aus eigenwirtschaftlichen Gründen verlassen.